Vom Elektrobaukasten zum Meister

Angefangen hat das alles so um 1963 herum. Als kleiner Bub bekam ich zu Weihnachten den Kosmos Baukasten „ Der Elektromann“. Da war es passiert, ich musste Elektriker werden. Da aber das mit dem Wickeln des Elektromotors etwas in die Hose ging, war mir klar: Kein Elektromaschinenbauer, eher dann noch Elektroinstallateur.

Im Herbst 1970 war es dann soweit. Ich begann bei einer alteingesessenen Elektrofirma in Ludwigsburg meine Ausbildung. Das war damals alles noch etwas anders als heute, da konnte es schon vorkommen, dass der Chef, ein rüstiger 70-jähriger Weltkriegsveteran einem drohte, er würde einem mit einem Kabelstück auf den Schädel hauen. Hat er aber nie getan. Aber die Ähnlichkeit mit Meister Röhrich war frappierend.

Es gab kuriose Momente wie z.B.: "Junge, die brauchen auf der Baustelle im Nachbarort eine große Leiter, nimm die mal und lauf damit zu denen rüber." Naja, ich hab dann für die 6 Kilometer auch einen halben Tag gebraucht.

Eine schöne Erfahrung war dann das Reparieren von Lüftern auf einem Flachdach im Sommer. Wochenlang nur Sonne, gelegentlich mal so einen Lüfter ausgetauscht, ich war ja noch Stift, da darf das dann auch alles etwas länger dauern.

Später, mit wachsendem Können, bekam ich dann ein Firmenmofa, auch zum privaten Gebrauch.

Von geldwertem Vorteil, 1% Regelung und so war damals nocht nicht die Rede.

Nach 3 ½ Jahren war ich dann Elektriker-Geselle, von den Noten her im oberen Drittel, aber wir waren damals ja auch erst 18. Da fängt man heute doch erst mit einer Ausbildung an.

Bis zu meinem Zivildienst beim ASB in Ludwigsburg habe ich dann 2 Jahre mal auf großen, mal auf kleinen Baustellen gearbeitet, und dann kam die Frage: Was mache ich weiter in meinem Leben?

Ein Freund der gerade den Radio- und Fernsehtechnikermeister gemacht hatte, riet mir, auch meinen Meister zu machen. Gesagt, getan. Ich hab mich in Esslingen bei der Meisterschule angemeldet. Mit meinen 22 Jahren war ich der Jüngste, mit schulterlangen Haaren auch der Wildeste.

Mit 23 hatte ich dann meinen Meisterbrief in der Hand, habe mir 2 Jahre die Arbeit bei einem kleinen Betrieb angeschaut und bin dann nach Stuttgart als Abteilungsleiter zu einem SF-Bauer gegangen.

Zu meinem 27. Geburtstag habe ich mir dann eine eigene Firma gegönnt und kann heute, gut 50 Jahre später sagen, das mit dem Elektromann war damals gar keine so dumme Idee.

 

Elektriker, ohne uns läuft nichts!

 
 

Kommentar schreiben

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

 


 
* Preise inkl. gesetzlicher MwSt. zzgl. Versandkosten